Augenmaß ist völlig überbewertet, sagt ein Blinder.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein späterblindeter Mensch in Sachen räumlicher Vorstellungskraft einem geburtsblinden Menschen gegenüber leicht im Vorteil ist. Ich würde mich über vergleichende Kommentare und Anekdoten hierzu sehr freuen. Mir ist heute morgen wieder einmal aufgefallen, dass ich ohne Sehkraft in den vergangenen Jahren ein paar Treffer gelandet habe, die manche Menschen in meinem sehenden Umfeld in leichtes Stirnrunzeln versetzt haben. • Ich machte während meines Lehramtsstudiums ein Praktikum an meiner alten Schule, dem “Elli” in Eisenach. Das war übrigens eine verdammt geile Zeit, auch und insbesondere wegen der irrsinnig coolen Gruppe von Lehrern im RaucherLehrerzimmer, die meisten davon ehemalige Lehrer von mir, die mich so wundervoll in ihrer Mitte aufgenommen haben.
An einem Freitag gingen wir zur Bowling-Bahn. Ich war dran, ein mittlerweile befreundeter Physiklehrer ging ein paar Meter hinter mir in die Hocke und sagte: “Markus, mach mal’n μ rechts!”. Ich zog ab…Strike…und mein Team gewann.
• Am darauffolgenden Montag saß ich im RaucherLehrerzimmer, knüllte eine Papiertüte zusammen, die kurz zuvor noch einer Laugenbrezel als Übergangslager gedient hatte, deutete in die Richtung des Papierkorbs und fragte den eben erwähnten Physiklehrer: “Jörg, meinst du, die geht rein?” Er lachte in der anderen Ecke des Raumes und sagte: “Markus, mach mal’n μ rechts!” Zweieinhalb oder drei Meter Luftlinie…versenkt.
• Vor ein paar Jahren, an meinem Geburtstag, öffnete ich in gemütlicher Runde in einer damaligen WG eine Sektflasche. Der Korken wurde in seiner Flugbahn zweimal abgelenkt, an meiner Stirn und an der Zimmerdecke, und verschwand dann in einem etwa 3 Zentimeter breiten Spalt zwischen dem Herd und der Arbeitsplatte. Nu, wo isser denn hin!?
• Vor einer Weile spielte ich in unserem derzeitigen Mietshaus (oder aus gegebenem Anlass: MietzHaus) mit unserer Katze, indem ich ein Bällchen aus Alufolie zu ihrer Belustigung durch die Gegend warf und rollte. Ich hockte unten an der Treppe, auf der die Katze saß, um das Flugobjekt in Basketball-Block-Manier in der Luft abzufangen. Ich warf, das Bällchen flog 15 Treppenstufen und einen Meter Flur weiter oben in einen leeren Pappkarton, der dort vorübergehend geparkt worden war; und die Katze suchte erst einmal ihr Bällchen. 😉
• Heute morgen, als ich eine leere DuschbadFlasche rücklings durch einen Spalt in der DuschkabinenTür – quasi per No-Look-Pass ins Waschbecken beförderte. 😉 Das war sogar geplant, denn der Mülleimer steht unter dem Waschbecken, was ungleich schwieriger gewesen wäre. 😉

Für mein nächstes GlückstrefferProjekt bräuchte ich mal jemanden, der zur Orientierung mit meinem Blindenstock an den Ring eines Basketballkorbs klopft, und ich stelle mich an die FreiwurfLinie. 😉

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