VoiceOver-Nutzer: Videoschnitt auf dem Mac mit Shotcut & QuickTime

Ein paar Worte vorweg

Dank der MacOS-eigenen Screenreader-Software VoiceOver laufen die allermeisten Aufgaben für mich auf meinem MacBook air sehr effizient und smooth. Leider gehört die Videobearbeitung (noch) nicht dazu.

„Blind Videos bearbeiten!? Aber Videos sind doch zum Angucken!” sind nachvollziehbare Gedanken. Doch aufgemerkt! Blinde Menschen drehen Videos. Wir nutzen Social Media und möchten andere Menschen an unserem Leben teilhaben lassen oder Alltagstips mit anderen Blinden teilen. Wir möchten Momente einfangen. Manche von uns sind Musiker und nutzen Youtube. Ergo: Wir wollen nicht viel; einfache Videobearbeitung reicht uns eigentlich schon.

Meine Vorgehensweise ist natürlich meine Vorgehensweise und wird nicht für jeden anderen Nutzer gleichermaßen zielführend sein.

Da Apple mit den Betriebssystemen für ihre Hardware-Produkte den ScreenReader gleich mit liefern, sind Apples eigene Softwareentwicklungen im Großen und Ganzen barrierefrei. Accessibility und Usability sind aber leider nicht immer das Gleiche. Dies trifft in diesem Fall für iMovie zu: generell barrierefrei aber für uns beinahe unbrauchbar. Mit dem QuickTime Player kann man Videos auch trimmen, also vorn und hinten etwas abschneiden. Dies würde ich aber eher als Vorbereitung nutzen, wenn, z. B. die gewünschte Sequenz, die ich ausschneiden möchte, in der Quelldatei erst mehrere Minuten nach dem Anfang beginnt. Zum genauen Schneiden ist die Trimm-Funktion in QuickTime Player für VoiceOver-Nutzer viel zu grob.

Auf meiner Suche nach einer Lösung stieß ich auf die App Shotcut. Auf den ersten Blick sieht die Benutzeroberfläche ziemlich barrierefrei aus, aber das ist sie leider nicht. VoiceOver liest viele Schaltflächenbeschriftungen vor, löst diese aber nicht aus. Der Entwickler bedauert dies und probierte einen Workaround für mich aus. Diesen habe ich in meinen Workflow eingebaut, den ich mit Euch teilen möchte.

Schneiden mit Shotcut

    Ich tippe in der Spotlight-Suche nur das Wort „shot” ein, drücke die Eingabetaste, und schon öffnet sich die – natürlich bereits installierte Anwendung. Man kann natürlich auch über das VoiceOver-Dienstprogramm einen Shortcut für Shotcut definieren und die App so per Tastenkombination öffnen.
    Ich drücke Befehl+o bzw. CMD+o und öffne das zu schneidende Video.
    Mit der Leertaste spiele ich es ab und pausiere es.
    Mit Pfeil-rechts oder -links spule ich Frame-weise vor und zurück; wenn ich auf der Taste bleibe, höre ich gut, wenn das Tonsignal, an dessen Anfang ich schneiden möchte, beginnt.
    An der Stelle, an der die Sequenz beginnt, die ich behalten möchte, drücke ich einfach die Taste I und setze die Anfangsmarkierung für den Schnitt.
    Nun spiele ich das Video wieder ab. Mit FN+Pfeil-hoch und -runter kann ich auch in Abschnitten springen. Es sind eine oder fünf Sekunden; genau weiß ich es gerade nicht.
    An der Endposition meiner gewünschten Sequenz drücke ich nun die Taste O und setze die Endmarkierung für den Schnitt.
    Ich öffne mit VO+f (also Strg+Wahltaste+f) die VoiceOver Suche und tippe: „export file”. Der VoiceOver-Fokus springt im Grunde zuverlässig zur gewünschten Schaltfläche.
    Ich wähle im nun geöffneten Dialog einen Dateinamen und speichere die ausgeschnittene Sequenz in den Downloads-Ordner.

Es erscheint ein Fenster, in dem VoiceOver nur „qmelt” ansagt, sonst nichts. Hier lehne ich mich zurück und warte, bis dieses Fenster wieder verschwunden ist, und VoiceOver von ganz allein wieder auf die Benutzeroberfläche von Shotcut springt. Das scheint nur die Fortschrittsanzeige des Exports zu sein.

Wenn ich mehrere Sequenzen ausschneiden möchte

Ausgerechnet der Bereich, in dem die Filmspuren sichtbar sind, ist für VoiceOver-Nutzer nicht zugänglich. Deshalb kann man die I-O-Markierungen nicht einfach löschen und an anderer Stelle neu setzen. Es hilft auch nicht, wenn man die Quelldatei mit Befehl+o neu lädt. Die einzige Lösung, um eine weitere Sequenz in der Quelldatei auszuschneiden ist, Shotcut zu schließen und neu zu öffnen.

Das klingt natürlich umständlich; aber, glaubt mir, wenn man erst einmal dabei ist, ist es doch effizient.

    Spotlight-Suche: „shot”, Shotcut öffnen
    Mit CMD+o den Film laden
    Mit I und O eine Sequenz ausschneiden
    VO-Suche: „export file” und bestätigen
    Dateiname 01-Irgendwas, abspeichern
    Shotcut schließen
    da capo

Sequenzen Verbinden mit QuickTime Player

Um einmal ein Beispiel zu bemühen: Ich habe aus einem Interview, was ich mit jemandem geführt habe, die Sequenzen herausgesucht, die ins Video hinein kommen sollen und habe diese nach der obigen Vorgehensweise nun nummeriert in meinem Downloads-Ordner liegen.

    Ich öffne die erste Datei im Quicktime Player.
    Ich öffne im ‘Bearbeiten’-Menü den Punkt „Clip am Ende hinzufügen” und öffne über den Dialog die zweite Datei.
    So fahre ich mit allen folgenden Sequenzen fort.
    Habe ich alle Sequenzen aneinander gehängt, exportiere ich das neue Video.

Was bisher nicht geht

Das Ein- und Ausblenden muss man so doch noch über iMovie machen oder sich sehende Hilfe holen. Das Überblenden von einer Sequenz in die Nächste habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. Für das simple Schneiden und Zusammenfügen von Filmsequenzen fahre ich mit der obigen Methode sehr gut. Wenn ich so viel wie möglich selbst mache, kann ich viel besser erkennen, an welcher Stelle ich mir doch sehende Hilfe holen muss; und das ist ja nicht verwerflich.

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